Wie die Gesellschaft (von Helmut Becker) betrogen wird

Für diesen Beitrag beziehe ich mich auf den Kommentar “Wie die Gesellschaft betrogen wird” von Helmut Becker. Erschienen auf der NTV Homepage und dort zu lesen.


In seinem Kommentar legt Helmut Becker dar wieso die Elektromobilität keine Lösung ist und warum diese Alles nur noch schlimmer macht.

Herr Becker kennst sich in der Automobilbranche sehr gut aus und hat in seinem Leben sicherlich einiges erreicht, meiner Meinung nach liegt er bei seinem Kommentar aber total falsch. Und es ist hervorzuheben, dass Herr Becker hier seine Meinung wiedergibt, genauso wie ich dies tue. Es ist ein Kommentar und keine Aufzählung von Fakten.

Lasst mich die einzelnen Punkte wiedergeben und meine Sicht auf die Dinge darlegen.

1.Elektroautos lösen die innerstädtischen Verkehrsprobleme wie Stau, Luftverschmutzung durch Feinstaub und Abgase?

Jein - anstatt wie Herr Becker einseitig zu argumentieren sollten wir uns das Problem mal von allen Seiten betrachten. Kein Auto ist besser als ein Elektroauto, das sollte Allen klar sein. Auch Elektroautos erzeugen Feinstaub, aber deutlich weniger. E-Autos haben keine lokalen Abgase, E-Autos bremsen auch deutlich weniger mit Ihren Bremsscheiben, sondern rekuperieren, wobei kein Feinstaub entsteht.

Wenn wir jetzt alle auf Elektroautos umsteigen und wir bei der gleichen Anzahl Autos bleiben, dann gibt es vermutlich genauso viele Staus wie heute. Zumindest innerstädtisch - hätten wir ein Tempolimit auf Autobahnen, dann hätten wir auch weniger Staus (und man müsste weniger Bremsen —> auch bei Verbrennern also weniger Feinstaub!). Richtig interessant wird es doch erst dann, wenn das autonome Fahren zum allgemeinen Standard wird - dann werden die Staus auch in der Stadt zurückgehen.

2. Kohlenstoff- und Stickstoffdioxide sind die Gesundheits- und Umweltkiller Nummer eins? Nur durch Fahrverbote für Dieselautos oder generelle Verschärfung der Emissionsgrenzwerte bei Verbrenner-Autos wird die Abgaskonzentration in der Luft gesenkt, und das Sterbe - und Erkrankungsrisiko der innerstädtischen Bevölkerung nachhaltig verringert?

Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich bei Herrn Becker lese “Selektive Dieselfahrverbote sind sinnlos.” Jede Reduktion von Abgasen und Lärm ist sinnvoll! Natürlich muss es das Ziel sein so schnell wie möglich die Städte weltweit von Abgasen zu befreien. Das sollte sowohl das Ziel der Politik als auch der Wirtschaft sein.

Ich kann diese Technologiefeindlichkeit und dieses Ablehnen von allem Neuen nicht verstehen. Die E-Mobilität ist keine Gefahr, die E-Mobilität ist eine riesige Chance! Zumindest wenn man das Thema richtig angeht. Ladeinfrastruktur, E-Autos usw. können jede Menge neue Arbeitsplätze schaffen und die, die verloren gehen ersetzen. Man hat hier bei der Solarbranche in Deutschland riesige Fehler gemacht (80.000 Arbeitsplätze wurden vernichtet nur um 20.000 im Bereich Braunkohle zu erhalten), es sieht so aus als würde man diesen Fehler in der E-Mobilität wiederholen.

3. Die chinesische Autoindustrie macht mit ihrer Flut von Elektroautos den deutschen Herstellern mit ihren Verbrenner-Oldies den Garaus? "China ist dabei, Technologieführer in der Autoindustrie zu werden und zugleich für alle anderen die Regeln vorzugeben", wie Autopapst Ferdinand Dudenhöffer als Resümee der jüngsten Shanghai Motor Show sagte.

Ich denke, wenn in Deutschland von “den Chinesen” gesprochen wird, dann meint man in Wirklichkeit die Hersteller aus Asien im Allgemeinen. Und ich denke damit liegt man gar nicht so falsch. Anstatt bequem zu sein und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen sollte die deutsche Politik und Wirtschaft Ihren fetten Arsch hochbekommen und anpacken. Wir werden hier abgehängt! Vielleicht nicht durch chinesische Startups, aber durch Toyota, Hyundai und Co.

4. Elektro-Pionier Elon Musk mit der Marke Tesla gräbt den deutschen Verbrenner-Herstellern mit seinen Elektroautos das Wasser ab? Das Model 3 rollt den Markt auf?

Als Kenner der Autoindustrie sollte man doch eigentlich wissen, dass man nicht alles was Elon Musk sagt auf die Goldwaage legen darf. Aber neben seinen Sprüchen sollte man auch nicht vergessen, dass er hier etwa Bahnbrechendes geschaffen hat. Verarbeitungsqualität und Produktionsschwierigkeiten hin oder her, technologisch ist Tesla an der Weltspitze (ich fahre einen e-tron, fantastisches Auto, aber verbraucht halt einiges mehr also ein Tesla). Niemand - auch nicht die größten Spinner - behauptet, dass das Model 3 den deutschen Markt überrollen wird. Zumindest nicht unter den aktuellen politischen und steuerlichen Voraussetzungen. Schaut man nach Norwegen, dann sieht man, dass ein Land sehr schnell in der Lage ist umzusteigen. Dazu muss man aber die richtigen Anreize setzen. Dann hat man schnell 50% Anteil an E-Autos. Solange aber der Politik die Gesundheit der Bevölkerung und die Klima Krise egal sind wird sich leider nichts ändern.

5. Opas Geschäftsmodell, mit einem eigenen Auto zu fahren, ist tot? Uber, Moia und Co. fegen mit neuen digitalen Mobilitätsangeboten die klassischen Autohersteller, die seit 125 Jahren vom Verkauf ihrer Autos gelebt haben, vom Markt?

Auch für mich ist es nur schwer vorstellbar, dass man in Zukunft kein eigenes Auto mehr hat, sondern sich nur noch fahren lässt. Am Taxi und an Uber ist das Teuerste der Arbeitskraft hinter dem Steuer. Dies wird sich ändern, wenn die Autos erstmal autonom fahren. Dann wird man sich ein Auto nicht mehr als Fortbewegungsmittel kaufen, sondern nur noch zum Spaß. So wie heute keiner mehr ein Pferd hat, um in die Arbeit zu kommen, so wird man ein Auto haben, um am Wochenende zum Spaß mal ne Runde zu drehen. Wie gesagt, für mich schwer vorstellbar, aber ich glaube hier mal den Experten.

So, was ist meine Meinung zu Helmut Beckers Artikel auf NTV? Da ich ihn nicht für dumm halte denke ich, dass dies gezielte Lobby Arbeit ist, für wen auch immer. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Herr Becker selbst an das glaubt, was er da schreibt. In wenigen Jahren werden wir ja sehen wer Recht hat!

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Alexander Ilg, alexander.ilg@gmail.com